“Ich suche einen geeigneten Kunststeinmörtel, mit dem ich den Eindruck von Ruhrsandstein nachbilden kann.”
Lieber Herr Kühne, danke dass sie sich an mich gewendet haben. Ich veröffentliche meine Antwort hier im Blog, damit auch andere etwas davon haben.
Kunststeinmörtel werden in der restauratorischen Praxis dem vorliegenden Naturstein genau angepasst. Vorweg müssen Enstehung und chemischen und technischen Eigenschaften bestimmt werden. Ruhrsandstein wurde in Österreich praktisch nicht verwendet und ist mir daher nicht sonderlich bekannt. Auf der Webseite des Geowissenschaftlichen Dienstes von Dr. Olaf Otto Dillman wird Ruhrsandstein sehr gut beschrieben. Daraus geht hervor, dass dieser Sandstein sich durch eine intensive quarzitische Bindung auszeichnet (im Gegensatz zum kalzitisch gebundenen Kalksandstein). Die Eigenschaften und die Abbau- bzw. Schadensphänomene von Kalksandstein und Quarzsandstein unterscheiden sich erheblich. Die unterschiedlichen Eigenschaften erfordern unterschiedliche Materialien und Vorgangsweisen bei der Restaurierung. Da es sich hier um den Nachguß in Kunststein handelt und nicht um Konservierung und Restaurieung von Bestand, erspare ich mir die Erörterung der erwähnten Unterschiede. Falls jedoch Fehlstellenergänzungen und Oberflächenschutzbehandlungen (Schlämmen) am Naturstein vorgenommen werden sollen, ist auf die Besonderheit des Quarzsandsteins Rücksicht zu nehmen.
Für den Nachguß empfehle ich folgendes Rezept:
DasVolumsverhältnis von Füllstoff (Sande) zu Bindemittel beträgt 4:1 bis 5:1. Zusatz von Primal (Sie können auch eine andereHaftbrücke als Elastifizierung verwenden, Primal vergilbt aber nicht so leicht) im Verhältnis 1:6 im Anmachwasser.
Die Farbe des Kunststeins kann durch Zugabe von Erdpigmenten (Oxydfarben) angeglichen werden. Dazu ist es notwendig Probekörper anzufertigen und im trockenen Zustand zu beurteilen (schnelle Trocknung mit Heißluftfön). Hinzufügen der Pigmente immer ins Anmachwasser. Wenn die Menge der zugegebenen Pigmente bei der Anfertigung der Probekörper abgewogen wurde, ist der Verbrauch für größere Mengen leicht auszurechnen.
Bindemittel: Weißzement (andere Zemente scheiden als Salzbildner aus). Kalk ist wegen Gipsbildung zu vermeiden.
Füllstoff ist Sandsteinsand (Hauptgemengeteile Quarz und Feldspat) von geeigneter Farbe und Körnung. Für den Kunststeinguß ist sowohl Rundkorn als auch Bruchkorn möglich.
Körnung:
- 1 Volumsteil der Körnung 0-4
- 2 Volumsteile der Körnung 0-2
- 1 Volumsteil der Körnung 0-1
- 1 Volumsteil Marmormehl 0,0-0,5
Den Sand und den Weißzement bekommen Sie im Baustoffhandel (Baumärkte), lassen Sie sich aber (telefonisch) Auskunft über das angebotene Material geben. Wesentlich billiger, aber auch etwas aufwändiger ist es, die Sande direkt bei einem Sandwerk zu holen. Den Besuch eines Sandwerkes empfinde ich immer als nettes Abenteuer.
Herstellung:
Die möglichst trockenen Sande nach Volumsteilen mischen. 1 Volumsteilteil Zement mit 0,62 Volumsteilen Wasser (inkl. Haftbrücke) mischen und dann das Sandgemisch einrühren. Bei größeren Mengen am besten einen Betonmischer verwenden, aber darauf achten, dass das angemischte Material schnell abzubinden beginnt und also innerhalb von ca. 1 Stunde verarbeitet sein sollte. Befüllen der vorbereiteten Negativform mit dem Kunststeinmaterial, zwischendurch Einlegen einer Armierung, auffüllen und verdichten durch kräftiges stampfen (mit Holzklotz), abziehen des Überstandes mit Holzlatte und Oberfläche glatt streichen. Abdecken der freien Gußfläche mit nassen Tüchern. Vor Hitze und Frost schützen.
Jeder Kunststeinguß ist mit einer Stahlarmierung zu versehen, da der Kunststeinguß zwar gut Druckspannungen aufnehmen kann, aber zur Übernahme von Zugspannungen wenig geeignet ist. Im Falle von Fensterbänken schlage ich 3-4 Stäbe Baustahl mit dem Durchmesser 6mm vor. Die Bewehrungseisen sollen ca. 3 cm unter der Oberfläche liegen, da es sonst zu Rostbildung und Abplatzungen kommt.
Ausformen des fertigen Kunststeingußes frühestens nach 3 Tagen. Nach 4 Wochen ist der Kunststein belastbar.
Oberflächenbehandlung: Zur Erzielung einer Oberflächentextur, die dem Naturstein nahe ist, muß die Zementhaut nach dem Ausformen mit Schleifpapier abgezogen werden. Eine Schlußhydrophobierung (Siloxanlösung) ist auf bewitterten Fassadenteilen sehr ratsam.
Falls Ihnen diese Vorgangsweise zu aufwändig ist, lassen Sie sich von der Fa. Remmers beraten und entsprechendes Material liefern. Auch die Fa. Keimfarben bietet mineralische Trockenmörtel in Säcken an (z.B. “KEIM Restauro-Gieß”).
