Restaurierung einer Gipsbüste

Die Gipsbüste des Pioniers der medizinischen Hygiene Max von Pettenkofer ist vmtl. der Abguß der originalen Steinbüste. Die Gipsbüste wies einige Fehlstellen auf und die Farbfassung war stark abgeblättert.

vor der Restaurierung

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nach der Restaurierung

Prof. Dr. Hannes Stockinger von der Medizinischen Universität Wien, Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie, beauftragte die Restaurierung der Büste.

Vandalismus in Wiener Kirchen

Heiligenstatuen wurden am Samstag 29.3.2014 Opfer von Vandalismus. So berichteten die Medien, u.a. auch der Standard.

Die Erzdiözese Wien schreibt auf ihrer Webseite: „Im Stephansdom, in der Lazaristenkirche (Wien VII), der Pfarrkirche Breitenfeld (Wien VIII) und der Pfarrkirche Neuottakring (Wien XVI) wurden am Samstagnachmittag vor allem Heiligenstatuen umgestoßen und andere Sakralgegenstände beschädigt. So wurden etwa in Breitenfeld vier Statuen umgestürzt und der Deckel des Taufbrunnens zertrümmert. In der Lazaristenkirche warfen die oder der Täter fast sämtliche Statuen im Kirchenraum um, wodurch viele zerstört wurden. Auch der hölzerne Korpus eines Kruzifixes wurde heruntergerissen und die Arme abgeschlagen. Der schweren steinernen Statue des Hl. Vinzenz wurden die Finger abgeschlagen.“

„Bilderstürmer wollen einen neuen Glauben predigen“, Goethe. Wollen wir hoffen, dass dies nur eine vereinzelte Verwirrung war.

 

 

 

Bundesdenkmalamt, Kronprinzen, Authentizität und Renitenz

Neueste Gerüchte besagen, dass das Bundesdenkmalamt dezentralisiert wird. Die Landeskonservatorate werden demnach den einzelnen Bundesländern unterstellt.

Welche Agenden werden der restlichen BDA-Zentrale bleiben? Was geschieht etwa mit den Werkstätten im Arsenal und in Mauerbach? Werden die aufgelöst oder privatisiert? Öffentlichkeit gibt es in dieser Diskussion wie üblich nicht. Die Bürger werden vor vollendete Tatsachen gestellt.

Dieses autoritäre und obrigkeitsstaatliche Gehabe sind wir insbesondere vom BDA gewohnt. Die Beamtinnen und Beamten dieses Amtes haben ja vorwiegend mit der Erhaltung der Erinnerung an die Monarchie zu tun. Das färbt ab aufs Gemüt.

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Hofrat Universitäts-Dozent Doktor Friedrich Dahm etwa, oberster Landeskonservator für Wien im Bundesdenkmalamt, sagte mir einmal, würde er zu Wahlen kandidieren, dann nur für eine Partei, die es nicht mehr gibt. Bis heute weiß ich nicht, wen er meinte? Monarchisten, Nationalsozialisten, Maoisten?

In einem Interview mit dem Standard beschwor er die „absolute, nicht mehr steigerbare Authentizität“ http://derstandard.at/1385170181761/Herr-ueber-Wiens-Denkmaeler-Es-gibt-keine-Kaeseglocke ).

Diese „absolute Authentizität“ spüren wir angeblich, wenn wir im Ahnensaal der Hofburg stehen. Kronprinz Rudolf hätte hier, umgeben von den Gemälden seiner Vorfahren, die Mahlzeiten zu sich genommen und den Eindruck gehabt: „Das ist die Verantwortung, die du auch einmal tragen wirst“.

Na aber hallo, Herrn Dahm! Wenn das nur keine Projektion ist! Ich spür das nicht, wenn ich in diesem Raum stehe. Kronprinz Rudolf hat sich beim Essen vermutlich auch was anderes gedacht.  Vielleicht kam ihm seine Syphilis ins Hirn und er dachte an die Mizzi, die er wahrscheinlich angesteckt hat. Oder er dachte als Ornithologe an andere Vögel, als die auf den Gemälden im Esszimmer. Er könnte dort auch die Mord- und Selbstmordpläne geschmiedet haben, die er dann in Mayerling ausführen würde. Oft wird er auch an seinen grässlichen Vater, Kaiser Franz Josef I., gedacht haben, der ihm militärischen Drill und eine ungeliebte Frau aufzwang. Dann bekam er vermutlich arge Stimmungsschwankungen, so dass ihm dass Essen nicht mehr schmeckte.

Ich spüre in diesem Raum eher Bedrückung durch das Geprotze und die Gespenster der wichtigen Vorfahren. Bedrückung könnte auch das hauptsächliche Gefühl Kronprinz Rudolfs in diesem Raum gewesen sein. Möglicherweise hat das Herr Dahm auch gemeint mit „absoluter Authentizität“ – klar gesagt hat er das nicht. Die „Verantwortung“ des Kronprinzen kam eher affirmativ daher – so, wie die meisten Bürger in diesem Speisezimmer vor Ehrfurcht erstarren würden, anstatt lauthals heraus zu lachen oder zu weinen, ob dieser Selbstbeweihräucherung der blutrünstigen Habsburger-Dynastie.

Und da bin ich bei dem leidigen Begriff „absolute Authentizität“. Sowas gibt es nur im Kopf derjenigen, die glauben sie hätten die ewige Wahrheit gepachtet. Nur: Geschichte, ihre Dokumente und, ja, auch ihre Denkmäler müssen immer wieder neu  verhandelt werden, und zwar  im Kontext des jeweiligen Diskurses. Die Inszenierung von Denkmälern setzt Signale, die den Rezipienten Authentizität vermitteln wollen. Die Glaubwürdigkeit dieser Authentizität muss bei den Rezipienten aber  erst einmal ankommen.  Mir erscheint die barock-selige Inszenierung des Wiener openair Monarchiemuseums schon lange nicht mehr authentisch, sondern eher als Tourismuswerbung. Der Ahnensaal der Hofburg hingegen ist nicht einmal öffentlich zugängig. Dessen „absolute Authentizität“ wird nicht zur Diskussion gestellt, sondern bloß behauptet. Darin sonnt sich allein der Herr über Wiens Denkmäler in seiner übergroßen Verantwortung, wie einst Kronprinz Rudolf.

Die Spuren des Alters gehören unverzichtbar zur authentischen Erscheinung eines Denkmals. Davon ist allerdings angesichts der biedermeierlichen Behübschung der Wiener Innenstadt nichts zu bemerken, als ob unser Kaiser noch hier herrschte.

Im selben Artikel des Standard sagt Dahm, „wenn einer nachhaltig renitent ist, können wir darauf bestehen, dass der Originalzustand wiederhergestellt wird. Das wird dann richtig teuer.“ Diese Wortwahl passt zum BDA. Historisch wurde mit Renitenz in der Zeit der Leibeigenschaft zumeist eine Verhaltensweise von Untergebenen gegenüber einer (weltlichen oder kirchlichen) Obrigkeit von Monarchie und Feudaladel benannt und als falsch denunziert.

In neuerer Zeit wird der Begriff zunehmend auch als Kampfbegriff gegen die Obrigkeit verwendet, wenn diese meint, sich nicht an rechtsstaatliche Vorgaben halten zu müssen, z.B. renitente Behörden.

Wenn also das BDA umorganisiert wird, so wird das den Bürgern nicht dienen, solange sich dort Beamte und Beamtinnen wie Kronprinzen fühlen und die Bürger wie Leibeigene behandeln. Das BDA sollte statt dessen laufend auf Renitenz hin geprüft werden.

Theophil Hansens profilierte Fuge

Neuerdings erstrahlt das Bauwerk am Beginn der Triesterstrasse jeden Abend im Kunstlicht: die Kirche am Evangelischen Friedhof Matzleinsdorf . Sie wurde vom Architekten Theophil Hansen erbaut und 1860 geweiht. Zum Ensemble gehören auch das Wirtschaftsgebäude und das Pfarrhaus, welche die Kirche beidseitig flankieren.

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Im Herbst 2013 haben wir die Fassade des Pfarrhauses restauriert. So sah die Fassade zu Beginn der Arbeiten aus:

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Die einzelnen Schritte der Konservierung und Restaurierung der Fassade waren

  • Entfernung von Pflanzenbewuchs und Biozidbehandlung
  • Reinigung mit schonender Sandstrahltechnik
  • partielle Entsalzung mit Kompressen
  • partielle Festigung mit KSE
  • Ergänzungen und Kittungen von Ziegeln mit technisch und  farblich passendem Mörtel
  • Ergänzungen und Kittungen der Zierkeramiken und Sandsteinbauteile am Portal und an den Fenstern
  • Einbau von bauseits vorhandenen Baukeramiken am Fuß des Portals
  • Verfugungen auskratrzen und ergänzen
  • Hydrophobierung

So sieht die Fassade nach Abschluß der Arbeiten aus:

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Das Backsteinmauerwerk ist mit Profilfugen versehen. Was sich Theophil Hansen bei diesen Fugen gedacht hat, bzw. was der technisch-handwerkliche Grund für diese Gestaltung war, ist mir nicht bekannt.

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Die Fugenmasse wurde farblich dem Original angepasst, jede einzelne Fuge wurde mit einer speziell angefertigten Spachtel gezogen und die Ziegel wurden von Kalkverunreinigungen sauber gehalten. Das war außerordentlich zeitaufwendig.

Ich habe mich mit den Fugen dermaßen verkalkuliert, dass am Schluß für drei Monate Arbeit nach Abzug aller Kosten 3.000,- € vor Steuer übrig blieben. Wir haben die Restaurierung aber ohne zu jammern erfolgreich zu Ende gebracht.

Bundesdenkmalamt und Lotterie

Manchmal scheint der Denkmalschutz tatsächlich eine Lotterie zu sein.

Wer gewinnt bei der Kooperation zwischen dem Bundesdenkmalamt und den Österreichischen Lotterien? Frau Neubauer oder Frau Glatz-Kremsner, die da so nett vom Foto dieser bezahlten Anzeige lächeln, die am 24.9.2013 im Standard erschienen ist?

BDA_Lotterie

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Hier wurde im Rahmen eines Gewinnspieles eine exklusive Führung durch die Hofburg angeboten. Die Besuche bei den Veranstaltungen des Bundesdenkmalamtes am Tag des Denkmals sind aber sowieso immer frei und gratis zugänglich. Machte etwa Frau Neubauer eine exklusive Gratisführung nur für die Lotterie? Oder wen bezahlten die Lotterien dafür? Hat es das Bundesdenkmalamt nötig für die Lotterien zu werben? Irgendwie unappetitlich das Ganze!

Wir kleinen RestauratorInnen empfinden die Auftragsvergabe oftmals wie einen Lotteriegewinn. Da haben wir für solch exklusive Auftritte wenig Verständnis.